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Caritas-Aktionstag „Jetzt schlägt´s 13“ – 
Forderungen nach mehr Zeit in der Altenpflege und Diskussionen .


„Das ist unmenschlich, was die Frauen jeden Tag leisten müssen“, erzählte Werner Riede, der seit einigen Monaten im Altenheim St. Franziskus lebt, und erntete dafür großen Applaus. Bei der Caritas-Aktion „Jetzt schlägt´s 13“ hatten zuvor Pflegekräfte anschaulich davon berichtet, wie ein ganz normaler Tag für sie aussieht. Die Kundgebung vor dem Rathauscenter war Teil der Initiative „Zeit für Menschen“, an der sich in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland insgesamt 100 katholische Altenheime beteiligten.
„Wenn wir morgens bis zu 15 Bewohnerinnen und Bewohner waschen und anziehen müssen, acht von ihnen das Essen reichen, dann bleibt für persönliche Ansprache und Förderung keine Zeit mehr“, bedauerte Altenpflegerin Bärbel Klotz. Sozialbetreuung bleibe ebenso auf der Strecke wie auch Begleitung beim Sterben oder ein wenig Zeit für ein persönliches Gespräch.
Eindrucksvoll hatten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Caritas-Altenheimen vorher szenisch gezeigt, wie es sich auswirkt, wenn eine Kollegin in Urlaub oder krank ist. Waschen am Fließband und vertrösten, immer lauter werdende Rufe nach der Schwester, seien dann die Regel. Eine Pflege der Zukunft müsse anders aussehen, darüber waren sich alle Beteiligten einig: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Heimbeiräte und Ehrenamtliche, die Leitung und Bewohner, und auch die Politiker, die sich gemeinsam bei einer Podiumsdiskussion vor dem Ludwigshafener Rathauscenter stellten.
Bundestagsabgeordnete Doris Barnett (SPD), sowie die Landtagsabgeordneten Günther Ramsauer (SPD), Josef Keller (CDU) und Stefan Klee (SPD) lobten, dass sich alle Beteiligten auf diese Weise Luft machen und die Bevölkerung aufklären. Mehr Geld für Pflege – dies war eine zentrale Forderung –sei allerdings nur überhöhere Beitrage zu erreichen. Dieser unpopulären Forderung stellte sich Günther Ramsauer.
Einig waren sich die Teilnehmenden aber auch darin, dass in den Caritas-Häusern eine gute Arbeit geleistet werde und die Menschen trotz aller widrigen Umstände menschenwürdig gepflegt werden. Für Klaus Ziemer, dessen Mutter in St. Franziskus gelebt hatte, waren die persönliche Ansprache und christlichen Werte ausschlaggebend für die Wahl des Hauses, und er wurde darin nicht enttäuscht. Käthe Böhler, die Vorsitzende des Heimbeirats in der St. Josef spflege, kritisierte zwar, dass durchaus Klagen wegen Zeitnot und geringer sozialer Fürsorge laut würden, aber dennoch gelinge es nach wie vor, die Bewohnerinnen menschenwürdig zu pflegen und zu versorgen.
Nahezu zaubern müsste man dafür aber, betonte Annette Schenk , die Leiterin der St. Josef spflege, während ihr Kollege von St. Franziskus, Erich Burgert, darauf einging, dass der „typische Bewohner“ immer älter werde und zunehmend einen sehr hohen Betreuungs- und Pflegebedarf habe und zudem immer häufiger an Demenz leidet. Alles in allem stellen die beiden Einrichtungsleiter  eine steigende körperliche und psychische Belastung bei ihren Mitarbeitern fest, die sich auch in einem überdurchschnittlich hohen Krankenstand zeige.
Als Hausaufgaben nahmen die Politiker die zentralen Forderungen in einer Schriftrolle mit und versprachen, sich damit auseinanderzusetzen. Die Teilnehmer der Kundgebung andererseits rollten mit Rollstühlen weg und versprachen auf riesigen Plakaten: „Wir kommen wieder!“

 

„Prekäre Situation“ auch bei den Sozialstationen

 

Doch die Missstände bestehen nicht nur in den stationären Einrichtungen, sondern auch bei den ambulanten, macht auch Peter Seidel , Geschäftsführer der ökumenischen Sozialstation Ludwigshafen, deutlich. Die finanzielle Lage der Sozialstationen in Rheinland-Pfalz werde zunehmend „prekär“, berichtet er. In Ludwigshafen versorgen rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich rund 700 Patienten. Seit Einführung der Pflegeversicherung sind die Zeitvorgaben, was für eine Leistung als angemessen erachtet wird, und die Finanzen dafür nicht gestiegen – wohl aber der Zeitaufwand, da die Menschen immer älter und hinfälliger werden, die Abrechnung immer aufwändiger.

Wie in den stationären Häusern, fordert auch Peter Seidel : „Wir brauchen in der Pflege eine leistungsgerechte Entgeltung, und der Beruf muss endlich Anerkennung finden!“ Pflege sei einerseits körperlich und psychisch sehr hart und anstrengend, auf der anderen Seite schlecht bezahlt, und dennoch finden sich hier Menschen, die „unheimlich engagiert sind“ und nicht auf die Uhr sehen, wenn sie gebraucht werden.

Der Landtagsabgeordnete Stefan Klee war zu Besuch im Caritas Altenzentrum St. Josef spflege in Mundenheim. Einen Morgen lang, ab 6 Uhr, begleitete er zu einem Frühdienst eine Pflegfachkraft für eine Schichtlänge, also insgesamt sieben Stunden. „Am Ende taten mir Füße und Rücken weh“ resümiert Stefan Klee. „Es ist schon ein kleines Wunder wie die Angestellten der Einrichtung während einer Schicht alles unter einen Hut bekommen“ sagt Klee, der die vorgegebenen Zeitfenster als unzureichend ansieht. „Hier müssen mehr Hände ran, wenn man zuträgliche Arbeitsbedingungen haben will.“ Der Politiker hat gegenüber den Mitarbeiterinnen seinen Respekt geäußert. Dieses Pensum täglich zu erledigen, sei eine wahre Herausforderung.  Dies stehe nach Auffassung Klees allerdings nicht im Einklang mit der gesellschaftlichen Anerkennung des Berufsbildes.
Am Ende versprach Klee, seine neu gewonnen Eindrücke zukünftig in seine politische Arbeit mit einfließen zu lassen. Allerdings wies er darauf hin, dass die Politik nur beschränkt auf die Rahmenbedingungen der Altenpflege Einfluss habe. Denn die Vergütungsverhandlungen und damit auch die Ausstattungsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen werden allein zwischen Kosten- und Leistungsträger verhandelt. Zugleich aber forderte er, dass angesichts der Rahmenbedingungen dringend eine gesellschaftliche Diskussion darüber geführt werden müsse, welchen Platz ältere Menschen in der Gesellschaft künftig haben sollen.

    
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
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