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Perspektiven für junge Mütter -
Kinderheim St. Annastift jetzt mit Wohngruppe für minderjährige Mütter mit Kindern

„Bindung steht vor Bildung“: Das ist der zentrale Ansatz in der Wohngruppe Mutter und Kind im St. Annastift Kinderheim in Ludwigshafen. Das Angebot für sechs junge Mütter mit ihren Kindern ist ein weiterer Baustein in der Einrichtung für Kinder und Jugendliche und Familien. Die Gruppe trägt den Namen St. Margareta.
Die Arbeit dort basiert auf vier Säulen: Zum einen erlernen die jungen Mütter Grundzüge der Haushaltsführung, angefangen bei der Wäsche über Putzen bis hin zum Kochen und Einkaufen. Darüber hinaus sollen sie soziale Kompetenz erwerben, um mit anderen Menschen angemessen umgehen zu können, oder um mit Gefühlen wie Wut oder Verletztheit fertig zu werden. Elternkompetenz wird ihnen vermittelt, damit sie die Bedürfnisse ihrer Kinder erkennen und darauf reagieren können. Nicht zuletzt wird ihnen ermöglicht, ihre Schule zu beenden und im Berufsleben Fuß zu fassen. Dazu können ihre Kinder in der katholischen Kindertageseinrichtung St. Sebastian I betreut werden.
Fünf junge Mütter sind inzwischen in die Wohngemeinschaft eingezogen, die aus behaglichen Einraumappartements und einem großen Gemeinschaftsraum mit Küche besteht. Karolina ist 16 Jahre alt, ihr Sohn Christ opher eineinhalb. Sie hat in den vergangenen Wochen, seit sie im St. Annastift lebt, einen geregelten Tagesablauf eintrainiert, in der die Haushaltstätigkeiten ebenso Platz haben wie das Spielen mit ihrem Sohn und Freizeit für sich selbst. Im August will sie wieder zur Schule gehen, bis dahin möchte sie ein Praktikum machen: „Ich will Erzieherin werden.“
Das Selbstbewusstsein, mit dem sie diesen Wunsch vorträgt, hatte sie bis vor kurzem nicht. Ihr wie auch ihren Mitbewohnerinnen Jasmin, 21 Jahre, und Maike, 19 Jahre, ist es wichtig, jetzt eine Perspektive zu haben. Ebenso bedeutsam ist für sie aber auch das Zusammenleben mit anderen Frauen, die in der gleichen Situation sind wie sie selbst: „Wir können uns austauschen,  geben uns Tipps, und das ist toll so“, sagen sie übereinstimmend.
Christopher war kein Wunschkind, gibt Karolina zu, „aber es kam mir nie in den Sinn, ihn nicht zu bekommen“, betont sie. Auch wenn die Familie die jungen Frauen nicht unterstützt, haben sie in den anderen jetzt eine Hilfe und Ansprechperson.
Es gibt viele Gründe, warum Mädchen so jung schwanger werden – und es werden mehr, weiß Sigrid Bode, Leiterin des St. Annastift Kinderheims: etwa das Gefühl, keine Bindung zu haben, oder Perspektivlosigkeit und die Angst, „nichts wert“ zu sein. Bei all diesen Sorgen will das St. Annastift Hilfestellung geben. „Es ist ein guter Tag für die Jugendhilfe in Ludwigshafen und in der Metropolregion“, lobte denn auch Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse die neue Einrichtung. Stadt und Träger, die St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe gGmbH, arbeiten im St. Annastift in vielerlei Hinsicht Hand in Hand, unter anderem auch beim Modellprojekt „Guter Start ins Kinderleben“, das im St. Marienkrankenhaus angesiedelt ist.
600.000 Euro hat der Träger in Umbau und Sanierung der Wohngruppe und des Familiennests investiert, die über Darlehen finanziert und über den Pflegesatz refinanziert werden. Weitere 100.000 Euro hat die Einrichtung gekostet, die aus Spendenmitteln aufgebracht werden müssen. (brid)

  

  

   
   
   
   
   
   
     
     
     
     
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
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